(Avocado Rose auf Toast mit Hummus und Herbstgemüse by Avant-Garde Vegan)

Das Auslandssemester ist für viele das Highlight im Studium. Partneruniversitäten werden nach abgefahrenen Kursen durchforstet, das Internet und Blogs nach Insider Tipps abgesucht. Dazu malen wir uns aus, wie wir braungebrannt an der Copacabana liegen oder mit der Winterjacke eiskalten Winden trotzen. Und wenn wir angekommen sind, da ist die neue Stadt, eine andere Uni mit neuen Fächern und neuen Freunden. Für mich ging es nach Frankreich an die Côte d’Azur, das Land der Liebe und der hohen Kochkunst. Vor allem wollte ich in meinem Auslandssemester meine kulinarische Ader ausleben. 

Das Essen an der Uni kann durchaus günstig sein, aber seien wir ehrlich: Von Großküchen ist nun mal kein Sterne-Essen zu erwarten. Und das ist O.K., die Mensa ist Mittel zum Zweck. Trotzdem muss ich persönlich dort nicht unbedingt jeden Tag essen. Wenn es dir ähnlich geht, dann habe ich für dich einige Tipps, wie du ohne Mensa nachhaltig und preiswert durch den Uni-Alltag kommst!

1. Lerne zu kochen

(Risotto eignet sich wunderbar als Grundrezept – Steinpilzrisotto mit Parmesan und Basilikum)

You don’t say!? Ohne Grundkenntnisse kann Kochen schnell zum Desaster werden. Aber der Anfang ist easy und schnell gemacht. Fange mit den Basics, wie Spaghetti oder Risotto mit variierenden Gemüsesorten und Soßen an. Nimm dir vor jede Woche ein neues Gericht mit lokalen und saisonalen Zutaten auszuprobieren. Dabei lasse ich mich gerne von YouTube Channels, wie FoodTube inspirieren.

2. Dem Gemüse die Hauptrolle geben

(Karotten Variation mit schwarzem Sesam & Haselnuss, garniert mit Mandarine)

Viele denken, dass Zucchini, Tomate und Zwiebel nur Statisten im Ensemble eines Gerichts sind. Die meisten haben die Ansicht: “Ohne Fleisch ist das für mich kein richtiges Essen!” Aber wenn wir gekonnt die vermeintlichen Nebendarsteller in den Mittelpunkt rücken, fehlt das Stück Fleisch nicht mehr. Hier einige Rezeptideen

3. Kreativität mit regionalen Zutaten ausleben

(Diese Schönheiten wären wohl bei einem Supermarkt auf dem Müll gelandet. Auf Bauernmärkte erhalten sie eine „zweite“ Chance)

Vom Bauernhof auf den Tisch – Anstatt nach Rezept zu kochen habe ich in Frankreich gelernt mich von regionalen sowie saisonalen Zutaten auf dem Wochenmarkt inspirieren zu lassen. Heidelbeeren aus Chile, Tomaten aus Nordafrika oder Äpfel aus Neuseeland sind keine Besonderheit mehr. Indem wir zumindest europäische Produkte kaufen, reduzieren wir unseren ökologischen Fußabdruck und finden dadurch neue, zum Teil wilde Gemüsesorten. Dadurch habe ich beispielsweise gelbe Karotten und violetten Blumenkohl für mich entdeckt. Wer keine Zeit hat zum Wochenmarkt zu gehen, findet viele regionale Zutaten auch im Supermarkt. Die Herkunftsländer sind erkennbar markiert. 

4. Pflanze etwas an

(Rolle Basilikum Blätter auf deiner Handfläche ein und hau ordentlich drauf. So entfaltet sich erst wundervoll das Aroma.)

Erde, Wasser, Sonne, Pflege und Zeit. Mehr benötigst du nicht für deinen eigenen Mikro Garten. Fehlt es an dem gewissen Etwas in deinen Gerichten fange mit Kräutern, wie Basilikum, Thymian und Rosmarin an. Wenn du Gemüse anbauen willst, sind Radieschen super geeignet. Sie wachsen schnell und sind pflegeleicht. Wenn du deinen grünen Daumen gefunden habt, informiere dich doch, ob es Urban Gardening Projekte in deiner Stadt gibt! 

5. Fertiggerichte selbst kochen

(Bevor du deine eigenen Fritten brätst oder backst, weiche sie in kaltem Wasser ein, um die Stärke zu lösen. Trockne sie danach. So werden sie schön knusprig.)

Bei Fertiggerichten werden wertvolle Inhaltsstoffe mit Geschmacksverstärkern, Konservierungsstoffen, Fett und Salz ersetzt. Dabei gibt es so geniale Alternativen. Kreiere deine eigenen Süßkartoffel Fritten, saftige Zucchini Nudeln oder eine fruchtig-würzige Tomatensoße … die Liste könnte ich immer weiter führen. Es schmeckt unglaublich gut und ist zudem gesünder. Verabrede dich zum gemeinsamen Kochabend – in der Gruppe macht es doppelt so viel Spaß! Meine präferierte Anlaufstelle dafür ist tasty.

6. Gönne dir ab und zu Fair Trade

Ja, ich weiß FairTrade ist teurer und wir Studenten sind ziemlich arm dran #Leben hart. Jedoch lohnt es sich gerade bei Genuss Produkten, wie Kaffee, Tee und Schokolade auf Fair Trade zu achten. Diese werden im globalen Süden angebaut und konventionell geschieht es unter unmenschlichen Bedingungen mit dem Einsatz von Kinderarbeit – vor allem beim Kakaoanbau. Das Fairtrade-Siegel steht für fair gehandelte Produkte, die oft auch ökologisch angebaut werden und somit die Umwelt schützen, da auf Pestizide und Monokulturen verzichtet wird. Außerdem ermöglichst du mit deinem Konsum den Ausbau von Kleinbauern Kooperativen, die sich für stabilere Preise sowie langfristige Handelsbeziehungen einsetzen.

7. Informiere dich über die Auswirkungen von “günstigen” Produkten

(Ungefähr 35 Prozent der globalen Getreideernte wird an Nutztiere verfüttert. Dabei leiden 795 Millionen Menschen an Hunger. Quelle: WFP)

Hast du dich jemals gefragt, warum einige Supermarkt Produkte so günstig sind? Das mag an der Kasse so scheinen, aber die Kosten für deine Gesundheit, den Boden und die Umwelt sind immens. Nimm dir Zeit und informiere dich über die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens. Sehr empfehlen kann ich hier den Film von Leonardo DiCaprio – Before the flood. Guck ihn. Tu es!

8. Sei bereit aus der Komfortzone zu treten

(In Fertigmüsli Mischungen ist immens viel Zucker enthalten. Mische dein eigenes Müsli und peppe es mit Trockenfrüchte auf.)

Ich finde es durchaus amüsant, wenn wir bei Amazon zahlreiche Bewertungen lesen und penibel darauf achten, welche Sonderfunktionen erfüllt sein müssen, damit wir ein Produkt kaufen. Wenn es um Lebensmittel geht, neigen wir dazu das günstigste Fleisch und Gemüse vom Discounter um die Ecke zu kaufen. Über die Auswirkungen, die dieses Verhaltens auf Mensch und Umwelt hat sind wir uns zu selten bewusst.

Du siehst die Zusammenhänge sind komplex, aber die Konsequenz für unser Handeln ist eindeutig. Wir müssen die Art wie wir essen umdenken. Das klappt nicht von heute auf morgen, aber Step-by-Step. Wir dürfen die nachhaltige Ernährung nicht als Einschränkung betrachten, sondern als Möglichkeit mit verschiedenen Geschmäckern sowie Texturen zu experimentieren, unsere kulinarische Vielfalt zu erweitern und Neues auszuprobieren. Der große Pluspunkt: wir leben gesünder und schonen die Umwelt!


Über den Autor:

Duc Nguyen
Co-Founder & External Relations
Duc ist einer der Gründungslöwen, TED Speaker und leidenschaftlicher Hobbykoch. Er studiert BWL im sechsten Semester und kommt frisch aus seinem Auslandssemester in Montpellier zurück. Momentan arbeitet er als Werkstudent im Bereich Sustainability & Global Competitive Intelligence bei FUCHS PETROLUB SE.