Eigentlich ist die Menstruationstasse keine neue Erfindung. Bereits 1937 wurde für diese von der Amerikanerin Leona Chalmers ein Patent angemeldet. Aber warum hat es so lange gedauert, diese auf dem Markt zu positionieren und somit vielen Frauen und Mädchen zugänglich zu machen? Der Grund, so erklären mir Leanka und Caro von Ruby Cup sei das noch immer vorherrschende Tabu über die Periode. Die Stigmata, dass es sich dabei um etwas „Schmutziges“ handelt, über das nicht gesprochen wird, halten sich nach wie vor. „Und jetzt versuch‘ mal ein Produkt zu vermarkten, bei dem man offen über Menstruation und Vaginas sprechen muss und das zudem noch super nachhaltig ist.

 

Die Wiederverwendbarkeit der Tasse kann abschreckend sein. Diese Hürde muss erst einmal genommen werden und dafür braucht es anfangs ein wenig Mut. Bei Tampons und Binden ist das einfacher, da sie im Abfalleimer landen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Die Tasse hingegen muss ausgeleert und gewaschen werden und kann dann wieder eingeführt werden. Durch ein Marketing in blauen und rosa Pastelltönen wird bei konventionellen Produkten Reinheit und Unberührtheit suggeriert. Aber eher wird das Tabu, über die Menstruation zu reden, unterstützt und es wird unterbewusst vermittelt, dass die Periode etwas diskretes sein soll. Rote kräftige Farben oder Blut gibt es so gut wie nicht zu sehen (revolutionäre Ausnahme in Sachen Werbung: Bodyforms „No blood should hold us back“ Kampagne). Menstruationstassen dagegen brauchen auf Grund ihrer Unbekanntheit noch immer viel Erklärungszeit und passen deshalb nicht in einen 60 Sekunden Werbespot.

„Und jetzt versuch‘ mal ein Produkt zu vermarkten, bei dem man offen über Menstruation und Vaginas sprechen muss und das zudem noch super nachhaltig ist.“

ruby-cup-gründerinnen

Ruby Cup wurde 2011 gegründet. Wir wollten wissen, ob es anfangs schwierig war, Kapital für ein Startup einzusammeln, das ein neuartiges und nachhaltiges Produkt für die Periode herstellen will.

Die drei Gründerinnen Maxie Matthiessen, Veronica D’Souza und Julie Weigaard-Kjaer, so erklärt mir Leanka, haben um Förderung zu bekommen bei Wettbewerben und Ausschreibungen mitgemacht und waren dabei auch erfolgreich (Global Social Entrepreneurship Award der Washington University in Seattle (USA); Venture Cup 2012 (Dänemark); Sustainia100 Solution (global)). Auf Crowdfunding haben sie auch zurückgegriffen. Aber die ersten zwei Jahre lang wurde wortwörtlich “von einer Tasse zur nächsten“ gearbeitet. Die drei haben ihr ganzes Herzblut und Energie in ein Projekt gesteckt, welches anfangs „nur“ ein Uni-Projekt war und daraus ein Projekt fürs Leben geschaffen.

Infobox: Was ist eine Menstruationstasse?

Menstruationstassen sind eine nachhaltige, kostensparende und gesündere Alternative zu herkömmlichen Tampons und Binden. Sie bestehen zu 100% aus medizinisch zertifiziertem Silikon und werden in die Vagina eingeführt, wo sie das Blut direkt im Körper auffangen. Dabei können sie bis zu 12 Stunden getragen werden.

Ruby Cup basiert auf einem „Buy One Give One“ Konzept. Für jede verkaufte Tasse wird eine an ein Mädchen gespendet, das keinen Zugang zu Menstruationsprodukten hat. Wie versucht ihr – gerade im ländlichen Afrika – die Stigmata und Tabus rund um die Periode zu brechen und einen offenen Dialog ohne Schamgefühle mit den Mädchen herzustellen?

Ruby Cup arbeitet eng mit Partnerorganisationen zusammen, beispielsweise mit der Golden Girls Foundation, die ein ganzes Mentorship Programm aufgebaut haben. Die afrikanischen Botschafterinnen suchen nach einer generellen Akzeptanz für das Thema und versuchen durch eine sichere Umgebung und eine aufgelockerte Stimmung Vertrauen zu schaffen. Ihre Arbeit geht dabei weit über die Menstruation hinaus. Mit ihnen können die Mädchen über alles reden, was sie über Sex und Sexualität wissen wollen.

 

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Warum ist eine gute Versorgung mit Menstruationsprodukten so wichtig für Mädchen in Entwicklungsländern und wie trägt die Ruby Cup zur Förderung der Gleichberechtigung bei?

Es ist wichtig, dass jede Frau Zugang zu einem gesunden Produkt hat und nicht auf Stofffetzen, Sand oder Blätter zurückgreifen muss, was ein erhebliches Infektionsrisiko darstellt. Mit einer Menstruationstasse kann dem normalen Tagesablauf nachgegangen werden. Die Mädchen bleiben während ihrer Periode aus Angst vor Blutflecken und aus Scham nicht mehr der Schule fern und haben somit eine bessere Chance auf Bildung und um später arbeiten zu können und finanziell unabhängig zu sein. Unterm Strich profitiert die gesamte Gesellschaft, da Frauen mehr in Familien und Bildung investieren.

 

Was sind die größten Erfolge auf die Ruby Cup bis dato zurückblicken kann?

Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden über 16.000 Ruby Cups verteilt. Das sei wie eine kleine Stadt, deren BewohnerInnen jetzt unabhängiger sind. Eine der allerersten Trainerinnen der Partnerorganisation, die sich in Nairobi für Frauenrechte einsetzt, ist durch Ruby Cup zu finanzieller Unabhängigkeit gekommen, da sie jahrelang als Trainerin gearbeitet hat, noch eine eigene Organisation geleitet hat und sich einen Namen geschaffen hat. Sie wurde als Frauenrechtsaktivistin nach Schweden eingeladen. Sie verkörpert genau das, was Ruby Cup ausmacht.

SDG 5: Gleichstellung der Geschlechter

Noch immer sind Frauen und Mädchen in vielen Aspekten des Lebens benachteiligt. Deshalb hat dieses Sustainable Development Goal eine gleichberechtigte Partizipation von Frauen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie ein Ende jeglicher Form von Gewalt an Frauen als Ziel. Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern müssen Frauen tagtäglich mit Diskriminierung, Stigmatisierung und Gewalt kämpfen.

Die Periode sollte eigentlich keine reine „Frauensache“ mehr sein, aber warum ist es so wichtig, dass auch Jungen und Männer besser über die Menstruation aufgeklärt werden?

Menstruation ist im Grunde der Nabel der Welt. Ohne sie gäbe es dich, mich und uns alle nicht. Menstruation umfasst aber weitaus mehr als die Tage der Blutung. Der komplette Zyklus sollte beachtet werden, da dieser Auswirkungen auf die sportliche Leistung (go with your flow) oder auf die allgemeine Gesundheit hat. Medikamente sollten auf den Zyklus angepasst werden – jedoch fehlt an dieser Stelle leider noch viel Wissen und Studien.

 

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Was gefällt euch an eurer Arbeit bei Ruby Cup am meisten und was motiviert euch?

Für Leanka ist der Social Impact auf die Gesellschaft das was ihre Arbeit bei Ruby Cup ausmacht. Sie weiß wofür sie jeden Tag zur Arbeit geht. Bei Ruby Cup kann sie aktiv mitwirken, die Tabus rund um die Periode zu brechen, indem sie mit jedem, der auf unseren Social Media Seiten vorbei schaut, auf Social Media interagiert, Informationen zur Verfügung stellt und kreatives Marketing betreibt.

Caro hat sich in ihrem Praktikum um den Customer Service gekümmert und fand es super schön zu sehen, dass sie etwas Gutes für Umwelt und Mensch macht (ihre persönliche Vorstellung von „ich will die Welt verbessern“). Durch die Interaktion mit den Usern lernen wir viel. Wir hören so viele verschiedene Geschichten und viele Personen teilen ihre Erfahrungen mit uns. Unter anderem auch aus der Transgender Community, und wir entwickeln uns so immer weiter, lernen immer wieder neues dazu. Denn nicht alle Frauen menstruieren und nicht alle menstruierenden Menschen sind Frauen. Frauen in der Menopause menstruieren nicht und Transgender Männer tun es.

 

Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen auf eine Menstruationstasse umzusteigen. Leanka und Caro haben uns ihre Top 3 genannt:

  1. Nachhaltigkeit. Denn mit der Tasse fällt kein Müll mehr an.
  2. Tampons und Binden stecken voller Chemikalien und Bleichmittel damit diese auch so schön weiß, rein und duftend sind.
  3. Lebensqualität. Menstruationstassen müssen nur ca 2x am Tag gewechselt werden. Sie haben einen hohen Tragekomfort, kein lästiges blaues Bändchen und ein Fauxpax ist selten. Zudem führen sie zu einer größeren Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, der eigenen Sexualität und lehren offen und frei ohne Schamgefühle über die Periode zu reden.

 

Wir bedanken uns bei Caro, Leanka und Ruby Cup für das super tolle Interview!

Links:
http://rubycup.com/de/
https://www.instagram.com/rubycup/
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/praktische-entwicklungshilfe-100.html
Champions of Menstruation Video

 


Über die Autorin:

Sarah Baumjohann
IT & Quality Management
Sarah studiert im 5. Semester BWL im Bachelor, ist Teil des IT Ressorts und engagiert sich neben Infinity in der Politik. Aktuell arbeitet sie als Werkstudentin bei der SAP SE im Bereich Engineering Services and Operations.