Elephbo sammelt leere Zementsäcke in Entwicklungsländern und verarbeitet diese zu hochwertigen und nachhaltigen Fashion Produkten. Die Grundidee besteht darin, Abfall zu reduzieren, Arbeitsplätze unter fairen Konditionen zu schaffen und einzigartige und praktische Produkte zu kreieren. Die Zementsäcke werden dabei auf den Baustellen, Straßen und Feldern Kambodschas eingesammelt, gewaschen und transportgerecht zugeschnitten. Danach werden die Zementsäcke von ausgewählten Produktionspartnern zu den finalen Produkten verarbeitet.

In unserem Interview mit Nicolas Huxley, dem Gründer von Elephbo, hat er uns erzählt, wie er auf diese Idee gekommen ist, was Nachhaltigkeit für ihn bedeutet und hat uns sowohl von bisherigen Erfolgen als auch Hürden berichtet:

 

elephbo-nicolasWieso gerade Produkte aus Zementsäcken? Wie hat sich die Idee entwickelt?

In Entwicklungsländern wie Kambodscha wird sehr viel gebaut, dementsprechend auch viel Zement benötigt. Die Verpackung des Zementpulvers wird nicht korrekt entsorgt, sondern einfach wahllos weggeschmissen.

Auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit sind die Zementsäcke aus gewebtem Kunststoff. Landen sie einmal in der Natur, bleiben sie auch dort. Der Kunststoff macht die Säcke für die Natur umso schädlicher, für eine Weiterverarbeitung als Modeprodukt jedoch umso geeigneter. Die Säcke sind extrem strapazierfähig, reißfest und 100% wasserdicht und können dadurch sogar für Sneaker oder große Weekender Taschen wiederverwendet werden.

Die Idee hat sich während einer Backpacker Reise mit ein paar Kumpels während den Semesterferien entwickelt. Mir ist aufgefallen, dass die Säcke von Locals bereits auf verschiedene Weise wiederverwertet wurden, das Material überall massenweise herumlag und die Logos der Zementfabriken einfach auch cool aussahen. Also ging ich mit einem Tuk Tuk Fahrer von Baustelle zu Baustelle und sammelte meine ersten Zementsäcke ein und fing an damit zu experimentieren.

 

Weltverbesserer oder Businessman? Wie wichtig war dir der Nachhaltigkeitsgedanke bei der Gründung?

Der Businessman in mir macht mich zum Weltverbesserer. Ich glaube fest daran, dass es fast unabdingbar ist, auch ein guter Businessman zu sein, um eine größere Wirkung auf seine Umwelt zu haben. Den Menschen fehlt es nicht an Ideen, die Welt zu verbessern, es fehlt die Umsetzung. Um diese Umsetzung langfristig zu realisieren, ist ein guter Geschäftsmann einfach notwendig.

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

In meinem Fall würde ich Nachhaltigkeit auf zwei Perspektiven aufteilen:

Die eine setzt die Menschen in den Fokus der Nachhaltigkeit. Sprich, dass jeder Involvierte der Produktionskette seinen fairen Teil des Kuchens abbekommt und das Projekt langfristig positive Auswirkungen auf die Menschen hat.

Die andere setzt den Fokus auf Material und Umwelt. Wie viel Material können wir recyceln? Welche zusätzlichen Materialien verwenden wir? Und wie verarbeiten wir diese?

„Ganzheitlich bedeutet Nachhaltigkeit für mich also ökonomische, soziale und ökologische Kriterien in der Produktion zu berücksichtigen.“

 

Kennst Du die SGDs der UN? Wie wichtig ist es dir, dass du mit deinem Unternehmen zu Goal 12: Verantwortungsvoller Konsum und Goal 5: Gleichberechtigung der Geschlechter beiträgst?

Ja, kenne ich. Die zwei genannten Goals sowie weitere sind in einem größeren Kontext Teil unserer Vision für eine fairere und nachhaltigere Modeindustrie zu kämpfen. Ich möchte keines der beiden speziell hervorheben, denn schlussendlich müssen wir Tag für Tag gegen die komplexen Probleme der heutigen Modeproduktion ankämpfen und uns ganzheitlich für bessere Bedingungen einsetzen.

 

Wie stellt ihr sicher, dass die Produktion im Ausland wirklich unter fairen Bedingungen abläuft?

Zunächst kennen wir unsere Kooperationspartner genau und vergewissern uns über die Bedingungen vor Ort. Daneben werden alle unsere Produktionspartner von einer renommierten Social Responsibility Audit Firma auf den Standard SA8000 kontrolliert.

Unsere Verantwortung:

A. Wir garantieren sichere, saubere und faire Arbeitsstätten bei all unseren Mitarbeitern und Partnern.
B. Wir garantieren, dass keine Kinder in unserem Produktionsprozess involviert sind.
C. Wir kontrollieren eine faire Entlohnung unserer Partner, Supporter und Mitarbeiter/innen.
D. Wir setzen uns auch für Arbeitsplätze für Frauen und sozial benachteiligte Personen ein.

Was sind die größten Erfolge auf die ihr bis dato zurückblicken könnt?

Bisher wurden über 25.000 Zementsäcke recycelt und zehn neue Arbeitsplätze für Personen in Not geschaffen.

 

Hand aufs Herz: Gab es Momente, in denen du alles hinschmeißen wolltest?

Definitiv! Und nicht nur einmal. Die simplen Probleme, welche man im Arbeitsalltag antrifft, wenn man in Entwicklungsländern unterwegs ist, haben mir am meisten zu schaffen gemacht. Wie kommuniziere ich mit den Personen, wenn sie keine technischen Kommunikationsmittel zur Verfügung haben? Wie überweise ich Löhne, wenn meine Mitarbeiter noch nie ein Bankkonto hatten? Wie erkläre ich ihnen ein Problem, ohne eine gemeinsame Sprache zu sprechen?

 

elephbo-team

 

Was sind die nächsten Schritte für Elephbo und welche Tipps hast du für angehende Entrepreneure?

Einerseits sind wir bereits an der Entwicklung neuer Produkte wie Gürtel, Möbelstücke wie zum Beispiel Barhocker oder Pulte, Frauenschuhe und mehr aus recycelten Zementsäcken. Andererseits wollen wir das Businessmodell in neuen Entwicklungsländern ebenfalls anwenden und aufbauen. So sind Tests in Rwanda, Zimbabwe, Nigeria und Benin bereits im Gange – und hier ist noch lange nicht Schluss.

Mach es einfach und vergiss die Risiken!
Wir in Europa haben das Glück und gleichzeitig das Pech immer in Opportunitätskosten zu denken. Viel zu viele geniale Ideen bleiben daher Ideen und werden nie realisiert. Wenn du damit klarkommst, weniger zu verdienen und viel viel mehr zu arbeiten – dann gibt es keinen Grund zu warten!

 

Wir bedanken uns bei Nicholas für das spannende Interview!

Mehr Informationen zu Elephbo findet ihr: https://elephbo.com

 


Über die Autorin:

Rebecca Neumayr
Public Relations
Rebecca studiert im 4. Semester Anglistik mit BWL im Bachelor und ist Teil des PR Ressorts. Aktuell arbeitet sie als studentische Hilfskraft bei der Mannheim Business School