Habt ihr euch auch schon einmal gefragt, was Restaurants, Cafés, Bäckereien und andere gastronomische Betriebe am Abend mit den Lebensmitteln machen, die sie nicht verkaufen konnten? Wir wollten es genauer wissen und haben uns einmal in der Mannheimer Innenstadt umgehört. Das Ergebnis: Einige Betriebe spenden ihre Lebensmittel an Hilfsorganisationen oder verteilen sie am Ende des Tages an Mitarbeiter und Bedürftige. Erschreckend viele aber sehen die Mülltonne als einzigen Abnehmer für ihre überproduzierten Lebensmittel. Das muss doch auch anders gehen, oder? Das dachten sich Thomas Bjørn Momsen, Stian Haanes Olesen, Adam Sigbrand, Brian Christensen und Klaus Pedersen 2015 auch und gründeten das dänische Startup Too Good To Go, um der Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen.

In unserem Interview mit Nora, mitverantwortlich für Marketing und Partnerschaften bei Too Good To Go in Deutschland, erfahrt ihr wie die App funktioniert, welchen Nutzen sie für euch haben kann und was Infinity damit zu tun hat.

 

Für jemanden, der euch noch nicht kennt: Was genau ist Too Good To Go?

Too Good To Go ist die App zur Lebensmittelrettung. Der Auftrag unseres öko-sozialen Startups, welches 2015 in Dänemark gegründet wurde, lautet dabei: Essen retten, Geld sparen und die Welt verbessern! Über die App können Restaurants, Bäckereien, Cafés, Hotels und Supermärkte ihr überschüssiges Essen zu einem vergünstigten Preis an Selbstabholer*innen anbieten. Die Kund*innen bestellen und bezahlen direkt über die App und brauchen ihre Portion dann nur im angegebenen Zeitfenster im Laden abzuholen.

 

Welche Vorteile hat Too Good To Go für die teilnehmenden Betriebe, welche für die Nutzer der App

Die Nutzer*innen können sich bequem über die App einen Laden in ihrer Umgebung aussuchen und filtern, worauf sie gerade Lust haben. Der Preis beträgt mindestens die Hälfte des Originalpreises, so können die Kund*innen ein tolles Essen für durchschnittlich 3€ genießen. Dabei lernen sie neue Restaurants und Geschäfte in ihrer Stadt (oder auch anderen Städten) kennen und tun gleichzeitig der Umwelt etwas Gutes. Der gastronomische Partner kann seine wertvollen Lebensmittel beziehungsweise Mahlzeiten noch verkaufen, anstatt sie entsorgen zu müssen. Damit kann er seinen Umsatz etwas steigern, gewinnt neue Kunden und kann sich vor allem nachhaltig und sozial engagieren.

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Foto: Too Good To Go

 

Was ist eure Mission bzw. eure Vision?

Wir setzen uns für eine Welt ein, in der produzierte Lebensmittel auch konsumiert werden. Unsere Mission ist es, Essen wieder zu mehr Wertschätzung zu verhelfen – sowohl durch den Umweltschutz als auch durch die Sensibilisierung der Gesellschaft für dieses wichtige Thema. Essen ist die wichtigste Energiequelle, die Menschen haben – und die sollten wir nicht achtlos wegwerfen. Wir sind davon überzeugt, dass unser Konzept einen großen Beitrag im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung leistet.

 

Wie kamst du zu Too Good To Go; was ist deine Rolle im Unternehmen?
Was gefällt dir an deiner Arbeit bei Too Good To Go am meisten und was motiviert dich?

Meine Aufgaben im Unternehmen fallen in den Bereich ‚Marketing und Partnerschaften‘. Dazu gehört es zum Beispiel, unsere Kanäle in den Sozialen Medien mit zu betreuen und Marketingaktivitäten zu planen. Darüber hinaus bin ich mit Initiativen und Unternehmen, die eine ähnliche Mission verfolgen, in Kontakt, um sich gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit und eine restefreie Zukunft einzusetzen. Zu Too Good To Go kam ich über mein Engagement gegen Lebensmittelverschwendung. Schon seit längerer Zeit setze ich mich für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln ein und versuche, möglichst viele Personen für dieses Thema zu sensibilisieren. Bei Too Good To Go kann ich dies nun auch beruflich umsetzen. Besonders motiviert mich dabei auch der bunte Austausch im Team, bei dem wir Ideen und Strategien gemeinsam erarbeiten und dadurch jede*r viele Prozesse mitgestalten kann.

 

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Foto: Too Good To Go

Thema Verpackung: Die Kunden erhalten ihr Essen in To-Go-Boxen.
Wie nachhaltig sind diese?
Seht ihr selbst in diesem Bereich noch Verbesserungsbedarf?
Gibt es die Möglichkeit, selbst einen wiederverwendbaren Behälter mitzubringen?

Beim Thema Verpackungsmaterial sehen wir auf jeden Fall noch Verbesserungsbedarf. Leider ist es- auch durch die derzeit bestehenden Vorschriften- schwierig, unser Konzept ohne To-Go-Verpackungen umzusetzen. Die Verpackungen, die von uns gestellt werden, sind biologisch abbaubar, aber wir arbeiten daran, dass es in Zukunft noch nachhaltigere Verpackungsvarianten gibt.

Sicher kennst du die Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN (SDGs). Ist es für Too Good To Go wichtig, zur Erreichung dieser Ziele beizutragen?

Unser Konzept bietet eine einfachere Möglichkeit, nachhaltiger zu konsumieren und Lebensmittel wieder mehr wertzuschätzen. Damit kann man natürlich leicht eine Verbindung zwischen unserem Unternehmensmodell und dem Ziel 12 „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“ herstellen. Der Anbau, die Produktion und den Transport von Nahrungsmitteln hat enorme Auswirkungen auf das Klima. Die Rettung von Lebensmitteln kann somit auch als “Maßnahme zum Klimaschutz” (Ziel 13) gesehen werden. Somit ist unser Ziel, so viele Mahlzeiten wie möglich zu retten, zwar zum Teil mit den SDGs verknüpft, die Erreichung dieser aber nicht direkt der Grund unseres unternehmerischen Handelns.

 

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SDG 12: Nachhaltige/r Konsum und Produktion

Eines der Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN ist es, nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster zu schaffen. Dafür muss ein Wandel in der Wirtschaft, aber auch in der Lebensweise jedes Einzelnen erfolgen. Too Good To Go trägt zu diesem Ziel bei, indem es dafür sorgt, dass produzierte Lebensmittel auch tatsächlich konsumiert werden, anstatt in der Tonne zu landen.

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SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz

Lebensmittel haben einen ökologischen Fußabdruck: Sowohl bei der Produktion als auch beim Transport entstehen Treibhausgase, die die Umwelt schädigen. Wenn wir zu viel produzieren und die Lebensmittel am Ende im Abfall landen, hat dies also Auswirkungen auf das Klima. Deshalb trägt Too Good To Go durch die Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung auch zum Klimaschutz bei. Denn wenn weniger weggeworfen wird, muss weniger produziert und transportiert werden.

 

Großkonzerne, kleine Startups, Konsumenten – wer bewirkt wirklich den Wandel?

Insgesamt ist jede*r für den Wandel verantwortlich. Daher sind auch Konsumentinnen und Konsumenten in der Pflicht, ihr Konsumverhalten zu überdenken und nachhaltigere Varianten zu wählen. Eine größere direkte Wirkung können aber wohl Großkonzerne und auch die Politik erreichen. Gleichzeitig geben viele Start Ups mittlerweile Impulse für einen nachhaltigeren Lebensstil und bieten gute Alternativen für verschiedene Produkte. Wir sind daher der Meinung, dass nicht einer bestimmten Gruppe die Verantwortung zugeschoben werden sollte, sondern gemeinsam mehr für eine nachhaltigere Zukunft getan werden muss.

 

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Foto: Too Good To Go

Was sind die größten Erfolge auf die ihr bis dato zurückblicken könnt?
Wie viele Mahlzeiten konnten dank euch bereits gerettet werden?
Wie weit seid ihr in Deutschland verbreitet und in welchen Ländern seid ihr sonst noch vertreten?

Durch den schnellen Erfolg unseres Konzepts konnten wir direkt in verschiedenen Ländern wachsen. Derzeit gibt es Too Good To Go in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Norwegen, Großbritannien und der Schweiz. Ganz neu sind die Niederlande nun seit Ende Januar dabei. In Deutschland haben wir aktuell etwa 1.600 Partnerläden und über 780.000 mal wurde die App schon heruntergeladen. Vor allem in den Großstädten besteht schon ein breites Angebot, doch auch in immer mehr kleineren Städten kann man Too Good To Go nutzen.

Mittlerweile wurden europaweit schon über zwei Millionen Mahlzeiten gerettet und dadurch knapp 4.000 Tonnen CO2 eingespart!

 

Was sind die nächsten Schritte für Too Good To Go?

Unser nächstes Ziel ist es, unser Konzept auch in den Niederlanden zu verbreiten. Seit dem 22. Januar 2018 ist die App auch dort verfügbar. Insgesamt wollen wir mit unserer App einen nachhaltigen Beitrag zur Lebensmittelrettung leisten. Dafür wird 2018 unser Team in Deutschland hoffentlich weiter wachsen und wir noch mehr Betriebe und Nutzer*innen in noch mehr deutschen Städten erreichen, damit Lebensmittelverschwendung Stück für Stück gegessen ist.

„Insgesamt wollen wir mit unserer App einen nachhaltigen Beitrag zur Lebensmittelrettung leisten.“

Wir bedanken uns herzlich bei Nora für das spannende Interview!

 

Das Interview hat euch gefallen und ihr haltet das Konzept von Too Good To Go für eine klasse Idee? Dann holt euch gleich die App (Links findet ihr hier) und schon könnt ihr leckeres Essen genießen und euren Beitrag zur Lebensmittelrettung leisten!

Leider werdet ihr schnell merken, dass in der Mannheimer Gegend noch nicht sehr viele Gastronomiebetriebe auf Too Good To Go aufmerksam geworden sind. Deshalb hat es sich Infinity zur Mission gemacht, das zu ändern! Wir sind bereits fleißig dabei, Restaurants, Cafés und Bäckereien in der Region anzusprechen und ihnen von Too Good To Go zu berichten, damit ihr schon ganz bald eine größere Auswahl an leckerem Essen für wenig Geld habt und wir gemeinsam die Lebensmittelverschwendung in Mannheim reduzieren können. Stay tuned!

 


Über die Autorin:

Kathrin Ruhnke
CSR/SE
Kathrin studiert BaKuWi (Anglistik und BWL) an der Uni Mannheim, ist seit Februar 2017 bei Infinity dabei und leitet stellvertretend das CSR/SE-Ressort sowie gemeinsam mit Rebecca den Blog. Momentan macht sie ein Praktikum in der Nachhaltigkeitskommunikation. In ihrer Freizeit backt sie gern und erfreut damit nicht nur ihre Mitbewohner, sondern auch die Infinity-Familie.