Urlaub in Thailand, Kurztrip nach Mallorca oder einfach nur per Flugzeug nach München, weil die Zeit drängt – das kommt den meisten bekannt vor. Oft reist dabei allerdings auch das schlechte Gewissen gleich mit. Zahlreiche Anbieter von sogenannten CO₂-Ausgleichsspenden bieten jedoch eine verführerische Rechnung an, wonach die Unterstützung klimafreundlicher Projekte den CO₂-Ausstoß der Flüge kompensieren soll. Bedeutet das tatsächliche Abhilfe oder nur einen vermeintlichen Freibrief zum Reisen?

 

Wie funktioniert der CO₂-Ausgleich?

Reisen belastet die Umwelt, ob mit Auto, Bahn oder Flugzeug. Besonders schwer schlagen jedoch Flugreisen in den persönlichen C02-Fußabdruck ein. So verursacht allein ein Hin- und Rückflug nach Bangkok 6200 kg an ausgestoßenen CO₂-Emissionen, was mehr als das Doppelte des jährlichen klimaverträglichen Budgets eines Menschen von 2,3 t CO₂ beträgt. Dabei wird berücksichtigt, dass in 9000 Metern Flughöhe ausgestoßenes CO₂ zwei- bis viermal klimaschädlicher ist als am Erdboden.

Das jährliche CO₂-Budget, also der Betrag, den alle Menschen individuell verbrauchen können ohne dem Klima zu schaden, beträgt etwa 2,3 t CO₂ pro Erdbewohner. Der Betrag errechnet sich aus dem weltweit gesetzten Ziel, die Erderwärmung bis 2050 auf 2°C zu begrenzen. Derzeit liegt der individuelle CO₂-Verbrauch allerdings meist weit über dem klimaverträglichen Budget, wodurch die Kompensation von Flugreisen durch ihren immensen Emissionsausstoß umso wichtiger wird.

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Um dem klimaschädlichen Emissionsausstoß von Flugreisen etwas entgegenzusetzen, gibt es verschiedene Anbieter, bei welchen die durch Flüge entstehenden Emissionen kompensiert werden können. Das Prinzip ist sehr einfach: Alle Anbieter von CO₂-Ausgleichsspenden bieten CO₂-Rechner an, die den persönlichen ökologischen Fußabdruck oder den einer Reise ermitteln. Im Anschluss werden die Kosten ermittelt, die anfallen um diese Emissionen durch verschiedenste weltweite Projekte zu neutralisieren. Durch die berechnete Summe werden dann equivalente Klimaschutzprojekte gefördert, wie zum Beispiel das Pflanzen von Bäumen, die Nässung trockengelegter Moore und die regenerative Energieerzeugung in Schwellenländern.

 

Wer führt den CO₂-Ausgleich durch?

Wichtig bei der Wahl des Anbieters der CO₂-Kompensation sind Kriterien wie die realistische Einschätzung der Treibhausgasemissionen und die Qualität der Klimaschutzprojekte, die durch Projektstandards wie den CDM Gold Standard bewertet werden. Hier eine kleine Auswahl qualitativ hochwertiger Anbieter mit geringen Werbungs- und Verwaltungsquoten:

 

Atmosfair
Der mehrfache Testsieger aus Berlin setzt sich durch soziale Projekte wie der Verbreitung energieeffizienter Holzöfen in Entwicklungsländern für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen ein. Atmosfair bietet CO₂-Kompensationen ausschließlich für Bereiche, in denen noch keine CO₂-neutrale Technologie zur Verfügung steht, also für den Flug- und Schiffsverkehr, an, um den „Status Quo“ in den anderen Branchen nicht durch Kompensationen zu zementieren.

Primaklima
Der gemeinnützige Verein setzt sich seit 27 Jahren für den Erhalt und die Mehrung von Wäldern ein. Die Kompensation der bei einer Reise anfallenden Klimakosten erfolgt durch Wiederaufforstungs- und Schutzprojekte in Bolivien und Uganda. Zudem werden auch Projekte gefördert, welche die Ursachen der Regenwaldzerstörung – Armut – durch die Erschließung neuer und nachhaltiger Einkommensquellen für Bauern bekämpfen.

Klimakollekte
Der CO₂-Kompensationsfonds christlicher Kirchen in Deutschland unterstützt durch die Kompensationszahlungen Projekte in Ländern des globalen Südens, welche das Klima schützen und die Armut vor Ort mindern. Dazu gehören z.B. die Ausstattung von Haushalten im indischen Distrikt Tumkur mit Solarlampen als Alternative zu Kerosionlampen und die Förderung von Photovoltaikanlagen in Myanmar.

 

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Dass die Kompensation von CO₂ nicht nur für Urlaubsreisen wichtig ist, sondern auch im Unternehmensalltag zunehmende Relevanz erfährt, zeigt sich beispielsweise an der Unternehmensberatung Accenture: Bei ihrem Vortrag Anfang diesen Jahres erfuhren wir, dass die Mitarbeiter ihre bei den Beratungsleistungen entstehende intensive Reisetätigkeit durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten ausgleichen.

 

Welche Alternativen gibt es?

Generell gilt, dass die Verringerung und bestenfalls die Vermeidung von Treibhausgasemissionen stets Priorität vor anderen Maßnahmen haben sollte. Für Reisende bieten sich dabei klimafreundlichere Alternativen zum Fliegen wie Bahn- und Busreisen an. Auch wenn es zeitintensiver sein kann, muss Bahnfahren nicht automatisch teurer sein; mit dem Sommerticket der Deutschen Bahn kann man beispielsweise vier Fahrten für 96€ unternehmen. Auch in der Bahnbranche tut sich mittlerweile etwas: Neben dem Flixbus bietet sich auf ausgewählten Bahnstrecken mit dem Flixtrain eine Alternative zur Deutschen Bahn.

Zudem kann eine effiziente Reiseplanung klimatechnisch viel ausmachen. Beim Fliegen sollte auf Umsteigen verzichtet werden. Und wenn Fernreisen seltener, dafür jedoch mit längerer Aufenthaltszeit unternommen werden, minimiert das den Klimaschaden, ermöglicht es tiefer ins Reiseziel einzutauchen und die lokale Wirtschaft im Gastland zu unterstützen.

 

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Unser Fazit

Die beste Weise klimafreundlich zu reisen bleibt der Verzicht auf die Flugreise. Wenn aber eine Reise ansteht und klimafreundlichere Alternativen nicht zweckmäßig oder möglich sind, wie beispielsweise bei einem Auslandssemester, sind Ausgleichsspenden eine sinnvolle Möglichkeit einen ökologischen Ausgleich für den Klimakiller Flugreise zu schaffen. Trotzdem sollte man genau hinterfragen, wann eine Flugreise wirklich nötig ist und sich immer wieder ins Bewusstsein bringen welche Auswirkungen unser Handeln auf das Klima hat.

Wie auf Utopia beschrieben, sollen Ausgleichsspenden die bereits getätigten ökologischen Schäden mindern und nicht zum gewissenlosen Verschwenden einladen. Wenn wir seltener das Flugzeug nehmen, das Auto öfter stehen lassen und auf eine ressourcenschonende Ernährung achten, können wir dem Klima noch mehr nutzen. Und falls das nicht sofort klappt: ein noch einfacherer erster Schritt ist die Suchmaschine Ecosia, bei der für getätigte Suchen im Internet Bäume gepflanzt werden.

Was denkt Ihr zu Flugreisen und CO₂-Ausgleichsspenden? Habt Ihr bereits erste Erfahrungen mit oben genannten Anbietern gesammelt, oder bevorzugt Ihr eine ganz andere Vorgehensweise? Wir freuen uns auf Eure Meinung!

 


Über die Autorinnen:

Anna-JosephineAnna-Josephine Krüger
CSR/SE
Anna-Jo studiert BWL und Anglistik im Master und ist Teil des CSR-Ressorts. Sie war vorher in Frankfurt, liebt Kamele und bereitet gerade ihre Masterarbeit im CSR-Bereich vor.

 

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Katharina Menke
Public Relations
Katharina studiert im 2. Semester VWL und ist seit September 2017 im PR Ressort bei Infinity dabei. In ihrer Freizeit kocht und reist sie gerne und verwickelt sich immer wieder in politische Diskussionen.