Einen Farm auf nur 10 Quadratmetern eröffnen und das auch noch mitten in der Stadt? Klingt verrückt, doch genau das haben Dr. Robert Stimac und Dr. Verena Mayer gewagt. Die beiden sind urbane Indoorfarmer und pflanzen ganzjährig im Herzen der Mannheimer Neckarstadt sogenannte Microgreens an. Das Motto ihrer Indoorfarm: zentral, regional und nachhaltig. Wie die beiden auf diese Idee kamen und was Microgreens genau sind haben Sie uns in einem Interview mit INFINITY Mannheim erzählt.

Wer seid Ihr? Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

Wir heißen Rob und Verena. Wir haben im September 2018 eine Indoorfarm im Herzen Mannheims gegründet und bauen Microgreens an. Rob ist promovierter Biophysiker und hat sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert. Erst in der Theorie und durch unsere Indoorfarm nun auch in der Praxis. Verena ist promovierte Philosophin. Sie stammt aus einer Familie von Landwirten und hatte schon immer den Traum, einen Bauernhof nachhaltig zu bewirtschaften. Jetzt halt indoor.  Wir sind nicht nur Kollegen sondern sind auch privat ein Paar und kennen uns seit unserer Studienzeit in Konstanz.

Warum genau Microgreens und Indoorfarming? Wie hat sich die Idee entwickelt?

Wir haben zuerst die Produktionsmethode kennengelernt und haben uns für das Thema Indoorfarming begeistert. Insbesondere hat uns gefallen, dass man dadurch ganz nah beim Kunden produzieren kann, also mitten in der Stadt. D.h. dass wir somit keine unnötig langen Transportwege haben und die Lieferung klimaneutral mit dem Fahrrad bewerkstelligen können. Nun, und da wir so nachhaltig wie es geht wirtschaften möchten (was übrigens eine große Herausforderung ist), haben wir uns entschieden Microgreens anzubauen, die im Gegensatz zu ausgewachsenem Gemüse nur kurze Zeit wachsen und, weil sie so zierlich und empfindlich sind, auf landwirtschaftlichen Flächen im Freien eh nicht angebaut werden können. Da sie nur maximal 16 Tage bei uns wachsen,  verbrauchen sie viel weniger Energie als ihre großen Geschwister. Ja, und auch keine Düngemittel, weil sie in diesem Entwicklungsstadium alles aus dem Samen nehmen. Kurzum, Microgreens brauchen nichts außer Wasser und Licht und eignen sich bestens für nachhaltigen Anbau. Außerdem schmecken Microgreens super. Ein ganz tolles Produkt finden wir.

Was kann man mit Microgreens machen und für wen sind sie interessant?

 Microgreens sind junge, d.h. 7-18 Tage alte Gemüse- und Gewürzpflänzchen (wie z.B. Senf, Rotkohl, Brokkoli, Bohnen, Amaranth, Erbsen, Kichererbsen, Sonnenblumen). Dadurch, dass sie so jung sind, schmecken sie sehr aromatisch und haben eine ziemlich hohe Dichte an Vitaminen und Nährstoffen, die teilweise die der erwachsenen Geschwister bei weitem übersteigt. Zudem weisen aktuelle vorläufige Studien des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg darauf hin, dass das in vielen Microgreens ( wie z.B. in  Brokkoli, Rettich, Radieschen, Rucola, Kohl ) enthaltene Sulforaphan tumorhemmend ist und zur Krebsprophylaxe eingesetzt werden kann. Durch das Verarbeiten des ausgewachsenen Gemüses (z.B. Kochen von Brokkoli), kann es passieren, dass die Enzyme, die den Wirkstoff produzieren, zerfallen. Da man mit den Microgreens das Gemüse roh zu sich nimmt und die Konzentration um ein Vielfaches höher ist, ist das eine tolle Sache. Aus gesundheitlichen Gründen, ist es als sogenanntes Superfood also für alle interessant, die sich gesund ernähren wollen.

Da sie auch sehr gut und intensiv schmecken und sehr hübsch aussehen, sind es vor allen Dingen Köche, also Mannheimer Restaurants, die wir beliefern. Beim Endkunden sind Microgreens im Gegensatz zu Sprossen und Kresse noch nicht sehr bekannt. Das ändert sich aber mit dem aktuellen Superfoodtrend immer mehr, so dass wir mittlerweile auch immer mehr Lebensmittelhändler beliefern.

Microgreens schmecken super in Salaten, auf Stullen, in Bowls, Eintöpfen, auf Kartoffel- und Pastagerichten, in Smoothies, als Pesto und.. und.. und… . Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Sogar auf Eissorbets schmecken bestimmte Sorten ziemlich abgefahren.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Euch?

Nachhaltigkeit ist für uns keine Marketingstrategie. Wir nehmen nachhaltiges und klimaneutrales Wirtschaften und Green Business sehr ernst und möchten unser Unternehmen an einer strengen Definition von Nachhaltigkeit ausrichten. D.h. für uns endet Nachhaltigkeit nicht beim Einsatz von sauberer Energie. Wir wollen unseren Energieverbrauch senken und haben zum Ziel, irgendwann energieautark zu produzieren. Wie Ihr Euch denken könnt, ist das nicht so einfach. Seit unserer Gründung im Ende 2018 gab es schon genügend Herausforderungen, die wir bewältigen wollen. Gottseidank haben wir mit Rob einen Nachhaltigkeits-Experten an Bord, der akademische Theorie auf Praktikabilität testet. So können wir immer wieder neue Dinge ausprobieren und unsere Nachhaltigkeit kritisch hinterfragen und ständig optimieren. Auch rufen wir gerade das ‚Projekt Nachhaltigkeit‘ ins Leben. Hier wollen wir die Probleme und Fallstricke nachhaltigen Wirtschaftens mit der Forschung, unseren Kunden und anderen interessierten Unternehmen, die sich gerne nachhaltig(er) aufstellen möchten diskutieren und nach innovativen Ideen suchen.

Was sind Eure nächsten Schritte mit In the Green?

Gerade sind wir dabei uns am Mannheimer Markt zu etablieren und wollen auch den Lebensmittelhandel, d.h. den Endkunden, erobern. Zudem sind wir gerade dabei die Farm technisch zu optimieren und die Produktion nachhaltiger zu gestalten. Hier haben wir viele Ideen und streben auch eine Zusammenarbeit mit den lokalen Forschungseinrichtungen an.

Ihr findet uns unter:

www.in-the-green.de

Und wenn Ihr mögt, folgt uns auf Instagram:

https://www.instagram.com/inthegreenmicrogreens

Ines Hickl

Ines studiert im fünften Semester BaKuWi Medien- und Kommunikationswissenschaft und ist seit Herbst 2017 Teil von Infinity Mannheim. Neben ihrem Studium engagiert sich sich in der Fachbereichsvertretung, erkundet gerne fremde Länder und backt mit großer Leidenschaft.