Es ist 17.00, ich habe die letzte Vorlesung für den Tag hinter mir und mein Magen knurrt. Ich brauche dringend etwas zu essen. Ich schwinge mich auf mein Fahrrad und radle bis zum Supermarkt um die Ecke. Jetzt schnell etwas fürs Abendbrot kaufen. Ohne großartig darüber nachzudenken, schnappen meine Hände nach allem was appetitlich aussieht und auf was ich gerade Lust habe. Avocados 1,11€/ Stück – ab in mein Einkaufskörbchen. An der Kasse angekommen wundere ich mich dann doch über den hohen Betrag meines Einkaufs, ich brauchte doch nur Lebensmittel für ein Essen. Na gut, den Rest esse ich dann eben morgen, oder im Verlauf der Woche, oder…

Dass die Augen manchmal größer als der Magen sind, kennen wir alle. Einmal hungrig einkaufen gehen und schon ist die Einkaufstüte fast zu schwer, um sie nach Hause zu tragen. Oder sich den ganzen Tag zurückhalten, weil man ja abends essen gehen will und dann ist der Tisch voller Vorspeisen und man ist doch schon satt, bevor die Hauptspeise überhaupt serviert wurde.

Übrig gebliebene Lebensmittel sind in unserer heutigen Gesellschaft leider kein seltenes Vorkommen. Pro Kopf wandern alleine in Deutschland jedes Jahr 55kg Nahrungsmittel in den Mülleimer. Das bedeutet, dass jedes achte Lebensmittel verschwendet wird. Eine beachtliche Zahl. Weltweit werfen wir Menschen sogar circa 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel in die Tonne – eine Menge, die man sich nur schwer bildlich vor Augen führen kann. Auch wenn wir privat oft das Gefühl haben, gar nicht so viel wegzuwerfen, ist es wichtig, sich des Problems bewusst zu sein. Knapp die Hälfte aller Lebensmittel in Deutschland werden schon weggeworfen werden, bevor sie überhaupt bei uns im Kühlschrank landen, beispielsweise schon während der Produktion, des Transports oder durch unzureichende Lagerbedingungen.

Jedoch soll jetzt nicht darum gehen, mit Zahlen umherzuwerfen, die sich sowieso niemand merken kann. Vielmehr möchte ich auf die Folgen der Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen und Lösungsansätze vorstellen, durch die wir alle einen Beitrag zum Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung leisten können.

Der verschwenderische Umgang mit Nahrungsmitteln führt nicht nur dazu, dass diese im Müll landen, sondern auch die Ressourcen verschwendet werden, welche benötigt werden, um die Lebensmittel überhaupt erst herzustellen. Wenn also eine Avocado zu Hause verschimmelt, weil wir die ganze Zeit darauf gewartet haben, dass sie endlich perfekt reif ist und sie im Endeffekt doch vergessen, landet nicht nur die Avocado im Müll, sondern auch das Wasser (ca. 1000 Liter für zweieinhalb Avocados) um diese anzubauen. Ebenso das CO2, welches für den Weg von Peru nach Deutschland ausgestoßen wurde war letztendlich umsonst. Übertragen auf weggeworfenes Fleisch ist die Rechnung noch dramatischer. Bis ein Kilo Rindfleisch auf dem Grill liegt werden 15.000l Wasser benötigt, was etwa 75 vollen Badewannen entspricht.

Auch die Klimaauswirkungen von weggeworfenen Lebensmitteln sind nicht zu ignorieren. Etwa drei Tonnen Treibhausgase werden pro Jahr und Kopf für Lebensmittel emittiert, welche wir niemals essen. Somit macht die Produktion nicht benötigter Lebensmittel einen Anteil von 10% der Treibhausgasemissionen reicher Länder aus.

Nun aber genug bemängelt, im Folgenden habe ich ein paar Tipps und Tricks für den Alltag zusammengesucht, welche jede und jeder von uns berücksichtigen kann, um der privathaushaltlichen Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken und in eine nachhaltigere Zukunft zu blicken.

Nr. 1: Einkäufe planen.

Wie bereits in der Einleitung angedeutet, finden wir uns oft in Situationen wieder, in welchen wir nicht mehr rational über Kaufentscheidungen nachdenken. Wir lassen uns im Supermarkt oft von Angeboten, bunten Verpackungen und unseren Gelüsten leiten, ohne uns Gedanken gemacht zu haben, was wir tatsächlich brauchen und essen möchten.

Am besten ist es, wenn du dir vor dem Einkaufen schon überlegst, was du die nächsten Tage über kochen und essen willst, anstatt nur für die nächste Mahlzeit einzukaufen. Dadurch verhinderst du, dass du am Ende auf der geöffneten halben Dose Kichererbsen sitzen bleibst, mit der du einfach nichts anzufangen weißt. Videos wie dieses hier können dir dabei nicht nur eine echte Hilfe und Inspiration sein, sondern zeigen auch, dass du mit einer ordentlichen Einkaufsliste auch noch einiges an Geld sparen kannst. Wenn wir zusätzlich noch sicherstellen, dass wir nicht mit einem riesen Loch im Bauch den Supermarkt aufsuchen, können wir davon ausgehen, dass am Ende auch wirklich nur die Sachen im Einkaufswagen landen, welche wir wirklich benötigen und verbrauchen können.

Gleiches gilt auch für das Essen im Restaurant. Oft bestellen wir viel mehr als wir eigentlich essen können, oder die Portionen sind viel größer als erwartet. Zum Glück sind die meisten Restaurants gerne dazu bereit, das übrig gebliebene Essen einzupacken, sodass du es dir am nächsten Tag nochmal schmecken lassen kannst (Pro-Tipp: Die eigene Mehrwegbox mitbringen um unnötige Verpackungen zu vermeiden).

Nr. 2: Lebensmittel retten.

Dieser Tipp ist sehr vielseitig, da es heutzutage mehrere Möglichkeiten gibt, Lebensmittel vor dem Wegschmeißen zu bewahren.

Eine davon ist (um beim Supermarktbesuch zu bleiben), beim Einkaufen mal nach zu sehen, ob es nicht schon aussortierte Lebensmittel zu einem reduzierten Preis gibt. Beispielsweise hat der Edeka meines Vertrauens immer eine große grüne Kiste mit aussortiertem Gemüse. Diese sind viel günstiger als die „frischen“ aber immer noch genauso lecker. Klar halten sich diese nicht mehr so lange bei zu Hause, wenn ich jedoch weiß, dass ich für mein Rezept Paprika brauche, warum nicht einfach eine mit einer Delle nehmen, diese wegschneiden und den Rest dann verbraten.

Die zweite Möglichkeit wäre es, durch Apps wie „to good to go“ übriggebliebene Lebensmittel bei diversen Supermärkten und Restaurants abzuholen und diese somit vor der Tonne zu retten. Das Angebot von teilnehmenden Händlern steigt immer weiter und für einen Bruchteil des Originalpreises bekommt man quasi eine Überraschungstüte voll mit Essen. Da jedes Mal etwas anderes dabei ist, wird man immer wieder dazu inspiriert, neue Gerichte zu kochen oder neue Restaurants auszuprobieren.

Wer sich gerne aktiv am Retten von Lebensmitteln beteiligen möchte kann sich bei foodsharing! anmelden. foodsharing! ist eine Initiative, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, Lebensmittel zu retten und diese zu „fairteilen“. Falls dich das Thema interessiert, findest du viele weitere Informationen sowie die Möglichkeit direkt mitzuwirken auf foodsharing.de. Auch auf Facebook finden sich mittlerweile für jede Stadt Gruppen, in denen Leute ihre nicht mehr benötigten Lebensmittel oder Überreste verschenken können.

Nr. 3: Einfrieren/ Einkochen/ Einladen

Auch wenn man beim Einkaufen darauf achtet, nur so viel zu kaufen wie man auch wirklich benötigt, kann es doch mal vorkommen, dass etwas übrigbleibt, bevor man übers Wochenende wegfährt. Wenn sich keine Mitbewohner_innen oder Freund_innen finden, die sich über dein Essen freuen, kannst du Gemüse, Obst oder Brot einfach einfrieren. Bananen lassen sich z.B. wunderbar im gefrorenen Zustand zu Bananeneis verarbeiten. Gemüse wie Karotten, Brokkoli oder auch Pilze lassen sich ebenfalls einwandfrei einfrieren. Was auch hilft, ist z.B. ein Gericht schon fertig zu kochen und dieses dann in die Tiefkühltruhe zu stellen. So hast du nicht nur dein Essen vor dem Müll bewahrt, sondern auch direkt ein fertiges Gericht zur Hand, wenn es mal schnell gehen muss.

Es ist nicht immer leicht, all diese Tipps umzusetzen. Niemand von uns ist perfekt, aber wenn wir uns alle mehr Gedanken über die Lebensmittel machen, die wir kaufen und sie in dem Maße schätzen, wie sie es verdient haben, können wir mit unseren persönlichen bewussten Kaufentscheidungen viel bewirken.

Und falls du mal wieder braun gewordene Bananen übrig hast, möchte ich an dieser Stellenoch  auf mein allerliebstes Bananabread Rezept verweisen um dir den heutigen Tag etwas zu versüßen: https://dadaeats.com/vegan-dark-chocolate-chunk-banana-bread/

Quellen:

https://www.welthungerhilfe.de/lebensmittelverschwendung/

https://www.zeit.de/wirtschaft/2013-08/fleisch-konsum-ressourcen &
https://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend/seite-3

https://foodsharing.de/

Elena Marie

Elena studiert in vierten Semester Medien- und Kommunikationswissenschaften und BWL. Seit Frühjahr 2020 ist sie Mitglied bei Infinity und engagiert sich im PR- Ressort. Neben ihrem Studium nutzt sie jede freie Minute um zu tanzen, zu kochen oder neue Reiseziele in Lateinamerika zu entdecken.